Leitfaden zur Pflege von Wanderstöcken
Stabschrecken (Phasmatodea) sind eine faszinierende Insektenordnung, die Naturbegeisterte und Wissenschaftler seit Jahrhunderten in Erstaunen versetzt. Ihre bemerkenswerte Fähigkeit, Äste und Blätter als natürliche Tarnung zu imitieren, hat sie zu Meistern der Verbergung und des Überlebens in ihren natürlichen Umgebungen gemacht. Hier geben wir eine kurze Beschreibung zur Haltung und Pflege der häufigsten dieser einzigartigen Insekten.
Hintergrund
Stabschrecken werden seit der Antike erforscht, wo ihre Tarntechnik Naturhistoriker faszinierte. Ihre Fähigkeit, sich in ihre Umgebung einzufügen, hat ihnen einen evolutionären Vorteil verschafft, der zu ihrer Verbreitung auf vielen Kontinenten geführt hat. Heute findet man sie in vielen tropischen und subtropischen Gebieten, einschließlich Asien, Australien, Afrika und Südamerika. Einzelne Arten kommen sogar in gemäßigten Klimazonen vor.
Lebensräume in der Natur: Die meisten Arten leben in dichten Waldgebieten, wo ihre Tarnung ihnen hilft, Raubtieren wie Vögeln und Reptilien zu entgehen. Sie gedeihen besonders gut in Gebieten mit reicher Vegetation, wo sie Schutz und Nahrung finden können. Hier haben sie sich mit einer reichen Vielfalt an Tarnungen angepasst. Die einfachsten Stabschrecken sehen aus wie kleine verdorrte Zweige. Es gibt aber auch Stabschrecken, die dornige Äste imitieren (zum Beispiel die Wandelnde Rosenschrecke) und sogar einige, die wie regelrechte Blätter aussehen (Wandelnde Blätter).

Die kleinste und größte Art
Die Ordnung der Phasmatodea umfasst etwa 3.000 verschiedene Arten, die sich in Größe und Aussehen stark unterscheiden.
- Die kleinste Art: Die kleinste bekannte Art ist Timema cristinae, die nur etwa 1,5 Zentimeter lang wird. Diese kleine Art lebt hauptsächlich im Küstengebüsch Nordamerikas und hat einen kurzen, kompakteren Körper im Vergleich zu anderen Stabschrecken.
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Die größte Art: Auf der anderen Seite haben wir Phobaeticus chani, auch bekannt als Chans Megastick, der eine Länge von über 60 Zentimetern erreichen kann, wenn man die ausgestreckten Beine mitzählt. Diese beeindruckende Art stammt aus Borneo und ist ein wahres Zeugnis dafür, wie extrem evolutionäre Anpassungen sein können.
Terrarium
Wenn Sie Stabschrecken als Haustiere halten, ist es wichtig, ihr natürliches Umfeld so genau wie möglich nachzubilden. Ihr Terrarium sollte daher mindestens dreimal so hoch sein wie die Länge des Insekts, da sie Platz zum freien Hängen benötigen, insbesondere während der Häutung. Ein hohes, gut belüftetes Gefäß mit einem feuchten Mikroklima ist optimal. Der Bodengrund kann vorteilhaft mit Terrarienerde gefüllt werden, wo dann kleine Organismen hinzugefügt werden können, die zur Reinigung beitragen (siehe Artikel über das Bioaktive Terrarium).
Terrariengestaltung: Um Ihren Stabschrecken eine sichere und stimulierende Umgebung zu bieten, können Sie das Terrarium mit natürlichen Ästen und lebenden Pflanzen einrichten. Die Äste ermöglichen es den Stabschrecken, daran zu klettern und sich zu häuten. Die Pflanzen sehen nicht nur schön aus, sondern helfen auch, die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Gute Terrarienpflanzen in Kombination mit Stabschrecken sind unter anderem die Kletterfeige, die Kriechfeige, die Drahtstrauch sowie Moos.

Feuchtigkeit und Temperatur
Die Luftfeuchtigkeit ist ein entscheidender Faktor für Stabschrecken, und die meisten Arten benötigen eine relative Luftfeuchtigkeit von 60-80 %. Dies kann erreicht werden, indem das Terrarium ein paar Mal pro Woche mit Wasser besprüht wird. Dadurch haben die Stabschrecken auch die Möglichkeit, die sich absetzenden Tropfen zu trinken. Verwenden Sie vorzugsweise demineralisiertes Wasser, um Kalkflecken auf Scheiben und Pflanzen zu vermeiden.
Temperatur: Die meisten Arten bevorzugen Temperaturen zwischen 20-25 °C, was bedeutet, dass ein normales Raumklima in der Regel ausreicht. Bei Bedarf können Sie eine Heizmatte verwenden, um die Temperatur zu erhöhen, aber achten Sie darauf, das Terrarium nicht zu überhitzen. Bei einigen Arten hat die Temperatur Einfluss darauf, wie schnell sich die Tiere entwickeln. Bei niedrigeren Temperaturen leben die Tiere etwas länger (entwickeln sich aber langsamer).
Futter
Stabschrecken ernähren sich von Blättern verschiedener Pflanzen. Die häufigsten Nahrungsquellen sind Brombeerblätter, Eichenblätter, Flieder, Himbeerblätter, Rosenblätter und Eukalyptus. Achten Sie darauf, dass die Blätter frei von Pestiziden sind, und waschen Sie sie immer gründlich, bevor Sie sie Ihren Insekten anbieten. Probieren Sie aus, welche Blätter am besten wirken. Im Winter kann es eine Herausforderung sein, Futter/Blätter zu finden. Brombeerblätter können in milden Wintern den ganzen Winter über grüne Blätter haben. Alternativ kann man Blätter ernten und einfrieren, um sie im Winter zu verwenden. Dort halten sie sich jedoch nicht sehr lange frisch. Eine andere Möglichkeit ist, Bergtee (Gaultheria shallon oder andere Gaultheria-Arten) anzupflanzen, da diese immergrün sind. Viele Floristen haben sie auch.
Um die Blätter so lange wie möglich frisch zu halten, kann man ein Einmachglas nehmen. Ein paar Löcher in den Deckel bohren, das Glas mit Wasser füllen und die Zweige dann in die Löcher stecken.

Fütterungsroutine: Tauschen Sie die Blätter regelmäßig aus, damit sie immer frisches und saftiges Futter haben. Einige Arten können wählerisch sein, daher ist es wichtig herauszufinden, was Ihre spezifische Art bevorzugt.
Umgang und Interaktion
Obwohl Stabschrecken gehandhabt werden können, sollte dies vorsichtig geschehen. Ihre Körper sind empfindlich. Wenn Sie sie anheben, tun Sie dies langsam und vorsichtig und lassen Sie sie in ihrem eigenen Tempo auf Ihre Hand klettern. Es ist nicht ungewöhnlich, dass einer Stabschrecke ein Bein oder ein Fühler fehlt (kann beim Häuten oder durch Unfall passieren). Diese wachsen jedoch jedes Mal, wenn sich das Tier häutet, langsam nach.
Achtung: Viele Arten erstarren einfach oder lassen sich zu Boden fallen, wenn sie sich bedroht fühlen. Vermeiden Sie daher plötzliche Bewegungen, die sie erschrecken könnten. Einige Arten können sogar eine kleine, übelriechende Substanz absondern.
Häutung
Stabschrecken häuten sich mehrmals in ihrem Leben. Das ist die Art und Weise, wie sie wachsen. Dieser Prozess wird Ecdysis genannt, und es ist wichtig, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit im Terrarium herrscht, um die Häutung zu erleichtern. Während einer Häutung hängen sie oft an einem Ast, und es ist entscheidend, sie zu diesem Zeitpunkt nicht zu stören. Nach der Häutung bleibt meist eine leere "Kopie" des Tieres zurück. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die alte Haut gefressen wird, um so viele Nährstoffe und Mineralien wie möglich zu verwerten.
Nachsorge: Achten Sie darauf, dass die gesamte Haut abgestoßen wurde und keine Reste vorhanden sind, die ihre Bewegungen behindern könnten. Bei Problemen kann versucht werden, die Luftfeuchtigkeit weiter zu erhöhen oder im Notfall die Reste vorsichtig mit einer Pinzette zu entfernen (wird jedoch nicht empfohlen).
Fortpflanzung
Viele Arten von Stabschrecken können sich sowohl sexuell als auch asexuell (Parthenogenese) fortpflanzen, was bedeutet, dass Weibchen Eier ohne Befruchtung durch ein Männchen legen können. In diesen Fällen sind die Nachkommen exakte Kopien (Klone) der Mutter. Sehr viele der in Gefangenschaft gehaltenen Arten vermehren sich ausschließlich parthenogenetisch (nur Weibchen), und bei vielen Arten gibt es in der Natur gar keine Männchen mehr.

Die Eier sehen oft wie kleine Samen oder Kot aus und sind daher schwer zu erkennen. Viele Arten machen beim Eierlegen auch einen Wurf mit dem Hinterleib, um sie so weit wie möglich wegzuschleudern. Die Eier von Stabschrecken können je nach Art und Umweltbedingungen mehrere Monate (bis zu Jahre) zum Schlüpfen benötigen. Im Allgemeinen schlüpfen befruchtete Eier schneller als unbefruchtete. Die Eier werden auf die gleiche Weise wie die erwachsenen Tiere gehalten (allerdings gerne etwas trockener). Ein lustiges Detail ist, dass die frisch geschlüpften Jungtiere oft überhaupt nicht wie die erwachsenen Stabschrecken aussehen. Als ganz Kleine imitieren sie oft kleine Ameisen oder Skorpione. Dies verschwindet jedoch nach den ersten paar Häutungen.
Abschluss
Stabschrecken sind ausgezeichnete Haustiere für Kinder, Anfänger und Enthusiasten gleichermaßen. Sie sind leicht zu füttern, benötigen nicht viel Platz und man kann problemlos in den Urlaub fahren, ohne sich Sorgen um ihr Überleben machen zu müssen. Darüber hinaus sind sie schöne, wundersame und interessante Tiere, die Anlass zu viel Lernen und guten Erlebnissen geben können.
- Viel Vergnügen.